Abenteuer auf dem Mostviertler Panoramahöhenweg
- jasminatomc
- 18. Juni 2020
- 9 Min. Lesezeit
Das Mostviertel ist durchzogen mit schmalen Straßen, die sich über die sanften Linien der grünen Hügel dahin schlängeln und traumhafte Aussichten in die Ferne öffnen. Dazwischen liegen zahlreiche Aussichtspunkte, wo man die Schönheit mit allen Sinnen genießen kann.
Eine solche Straße ist der Mostviertler Panoramahöhenweg, der bei Sonntagberg beginnt und 50 km lang über Hügel und Täler in Richtung Osten führt, an vielen Aussichtspunkten vorbei, bis nach Randegg. Den Ausgangspunkt der genussreichen Tour stellt das schon von weitem sichtbare Wahrzeichen des Ybbstales dar, die atemberaubende Basilika Sonntagberg. Nur wenige Kilometer nördlich von Waidhofen an der Ybbs liegt auf dem Gipfel des Hügels die Wallfahrtskirche, der Weg dahin ist schon aus dem Tal sehr gut beschildert. So befindet man sich schon zu Beginn der Reise zwischen Himmel und Erde und wird von schwindelerregenden Ausblicken und seliger Ruhe und Stille des einzigartigen Kraftortes behutsam in die Arme genommen.
Ich bin schon zweimal auf dem Panoramahöhenweg gefahren und es war jedes Mal ein besonderes und einzigartiges Erlebnis, das ich sicher immer wieder wiederholen möchte. Die Landschaft zeigt in jeder Jahreszeit ein anderes Gesicht, sie verzaubert mit vielfältiger Farbenpracht immer aufs Neue und man kann bei jedem Besuch eine neue Aussicht entdecken, ein neues traditionelles Getränk, eine neue Wanderroute, ein neues Lächeln der freundlichen Bewohner.

Die hügelige Landschaft des Mostviertels
Diesen Artikel beginne ich gleich im Tal, im Dorf Gleiß, dann fahren wir steil den Hügel hinauf zur Basilika Sonntagberg. Dort ist der Ausgangspunkt unserer Reise auf dem Panoramahöhenweg, den ich dir, liebe/r LeserIn, vor allem durch das Objektiv meiner Kamera vorstellen möchte. Den Traum beenden wir eigentlich in Randegg, beim Hochkogelberg, doch nur einige Kilometer die Bundesstraße weiter befindet sich noch ein kaum bekannter Schatz, mit dem ich diesen Artikel thematisch abgerundet abschließen werde.
Tief unten im Tal folgt die Bundesstraße dem faulen, ruhigen Strom des Flusses Ybbs und ungefähr zehn Kilometer vor dem Zentrum der Region, Waidhofen an der Ybbs, kann man hoch oben auf dem Hügel auf der linken Seite schon von weit die zwei markanten Türme der Basilika erblicken. Die Bundesstraße führt durch das kleine Dorf Gleiß, wo sich ein längst vergessenes und stark verwachsenes Juwel versteckt: die Burgruine Gleiß.
Die Ruine Gleiß ist der letzte Rest einer Höhenburg auf einem Fels am rechten Ufer der Ybbs und obwohl die Bundesstraße Amstetten – Waidhofen unmittelbar an der Ruine vorbeiführt, ist sie sogar vielen Bewohnern der nächsten Umgebung unbekannt. Kein Wunder, sie ist wirklich sehr leicht zu übersehen, wenn man nicht genau weiß, wonach man sucht.
Eine erste Burg dürfte um 1050 zur Sicherung des gerodeten Gebietes errichtet worden sein und konnte nie von den Türken eingenommen werden. Im Jahr 1806 wurde die bis dahin gut erhaltene Burg von den Franzosen niedergebrannt und danach nicht wieder aufgebaut. Sie wurde so dem Verfall überlassen.
Heute schaut man von der Straße in die dicken Büsche im Flussgraben und da gucken schüchtern nur einige nackte, stark verfallene Mauerreste aus dem Dickicht hervor. Die Ruine wird an einer Seite durch die benachbarte Siedlung überragt. Sie ist durch einen tiefen Graben in einem Flussarm der Ybbs umgeben. Vom einst prächtigen viereckigen Bergfried ist nur ein großer Schutthaufen übrig geblieben. Die Außenmauern sind abgestürzt, was den Zusammenbruch der Gebäude zur Folge hatte. Von der Beringmauer aus dem 13. Jahrhundert ist nur mehr eine Mauerecke vorhanden. Man erkennt noch die Fundamente einer langen Wehrmauer aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Am besten erhalten ist eine mit Kanonenscharten bestückte Außenmauer der Kasematten. Sie ist der jüngste Bauteil des Burgschlosses und stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die ehemaligen Wirtschaftsbauten lagen auf einem Plateau oberhalb der Burg. An ihrer Stelle wurde das Kloster der Schwestern vom göttlichen Erlöser erbaut.

Die Burgruine Gleiß
Da sich die Ruine gleich neben der Klosterkirche Herz Jesu befindet, wagte ich noch einen kurzen Blick ins Kircheninnere und blieb fast atemlos am Eingang stehen. Das Licht fiel durch hochgelegene Fenster über den überraschend riesigen Raum und zauberte Regenbogenfarben auf der beeindruckenden Farbenpracht der Ausstattung im Stil der Neorenaissance. Die romantischen Bögen und die einzigartige Decke runden das unvergessliche Bildnis ab.
Das Innere und die Decke der Klosterkirche Herz Jesu in Gleiß
Nur ein wenig die Straße runter erreichen wir schon die Abzweigung zum Sonntagberg und jetzt beginnt die schmale Straße immer steiler und kurvenreicher auf den bewaldeten grünen Hügel zu steigen. Wald und saftige Wiesen wechseln sich ab, bis wir schließlich den Gipfel erreichen und auf einem der zahlreichen enormen Parkplätze mühelos einen Parkplatz finden. Ob an religiösen Feiertagen die Suche nach einem freien Parkplatz auch so problemlos verläuft, bezweifle ich allerdings stark. Die barocke Basilika Sonntagberg ist nämlich nicht nur ein immer beliebtes Ausflugsziel, das zu den markantesten Wahrzeichen des Mostviertels zählt, sondern neben Maria Taferl und Mariazell auch eins der berühmtesten und meist besuchten Pilgerstätten in Österreich.
Eine steile Gasse führt an zahlreichen Souvenirläden und Geschäften mit regionalen Produkten vorbei, immer mit den zwei Türmen der Kirche vor den Augen. Bei den Zugangsstufen zur Basilika befindet sich die Pilgerinformation, wo man alles Nötige bekommt: Auskünfte und Tourismus-Infos, Führungen durch die Basilika, Reiseandenken und ein kleines Café mit Snacks & Kuchen.
Endlich oben angelangt, stehst du vor dem großen Haupttor. Von hier oben überwältigt der Blick in die grenzenlose Ferne, über das liebliche Hügelland und die Berge vom Ötscher bis ins Salzkammergut. Mit Tränen in den Augen und einer frischen Brise in den Haaren genoss ich die endlose Weite rundherum und fühlte mich da oben auf dem halben Weg in den Himmel.
Dia Basilika Sonntagberg
Schon 1440 ließ Abt Benedikt I. von Seitenstetten auf dem Aussichtsberg eine einfache Kapelle bauen. Schon da begann die Wallfahrt, bis der Zustrom der Wallfahrer so groß war, dass eine spätgotische Kirche gebaut wurde, die der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht war. Im 16. Jahrhundert drangen einzelne Türkentruppen bis Sonntagberg vor, scheiterten aber unterhalb der Kirche und zogen ab. Daran erinnert die barocke Brunnenkapelle, das „Türkenbründl“.
Als Reaktion auf massive protestantische Angriffe aus der Umgebung, die behaupteten die Wallfahrer würden den Zeichenstein anbeten, wurde eine Darstellung der Dreifaltigkeit (Gnadenstuhl benannt) auf eine Kupfertafel gemalt und beim Zeichenstein aufgestellt. Diese Dreifaltigkeitstafel befindet sich heute als Gnadenbild im Hochaltar.
Anfang des 18. Jahrhundert wurde die heutige barocke Wallfahrtskirche gebaut und das Wallfahrtsleben blühte. Anlässlich des Gedenkjahres „350 Jahre Gnadenbild auf dem Sonntagberg“ verlieh Papst Paul VI. im Jahre 1964 der Wallfahrtskirche den Titel „Basilika Minor“.
Endlich betrat ich das Haupttor der Basilika und mir blieb auf Anhieb die Luft weg. Die gefühlt bis zum Himmel hoch steigende Decke ist mit bunten Fresken und goldenen Ornamenten dekoriert und in der ehrenvollen Stille der endlos langen Kirchenschiffes fühlte ich mich Gott und dem Himmel sofort noch etwas näher.
Das heutige Gotteshaus wurde im 18. Jahrhundert von Jakob Prandtauer und Joseph Munggenast gebaut und die fröhliche Wand- und Deckenmalerei im Hauptgewölbe ist das kirchliche Hauptwerk des Malers Daniel Gran. Im Zentrum des reichen, barocken Hochaltars steht das Gnadenbild der Heiligen Dreifaltigkeit aus dem Jahr 1614. Unter dem Gnadenbild ist ein Teil des Zeichensteins. Acht barocke Seitenaltäre stehen sich paarweise gegenüber. Die Orgel wurde von dem Orgelbauer Franz Xaver Christoph erbaut und ist eine der bedeutendsten spätbarocken Orgeln Österreichs.
Das Innere und die Decke der Basilika Sonntagberg
Hinter dem Hochaltar der barocken Basilika am Sonntagberg befinden sich die Räume des Museums Schatzkammer Sonntagberg. Der von außen zugängliche Ausstellungsbereich zeigt in beeindruckender Weise seltene und seltsame Votivgaben der Wallfahrer und Pilger, die seit Jahrhunderten ihre Anliegen, Geschichten und ihren Dank auf den Berg bringen. Im Museum befinden sich außerdem wertvolle Priestergewänder sowie spannende Einblicke in die Mirakelbücher der Bibliothek.
Schätze im Museum der Basilika Sonntagberg
Um den Sonntagberg kreisen viele Sagen, Mythen und Legenden, die noch zusätzlich für die Beliebtheit der Wallfahrt sorgten. Den Höhepunkt erreichte die Wallfahrt nach dem Sieg über die Türken 1683, weil die Gegend von Türkeneinfällen verschont blieb. Doch auch die Pest konnte dem Ort nicht nahe kommen, was das Vertrauen auf den Schutz des Wallfahrtsortes noch steigerte. Die Ereignisse lieferten noch mehr Stoff für den sagenreichen Ort.
Der Sonntagberger Zeichenstein
Die Gründungslegende der Basilika Sonntagberg ist mit einem „Zeichenstein“ verbunden, der außerhalb der heutigen Kirche lag. Hier soll ein Bauer seine Lämmerherde verloren haben und nach Anrufung der Heiligen Dreifaltigkeit ein Brot gefunden haben. Auch seine Lämmer soll er wiedergefunden haben.
Die Legende erzählt, dass dieses Wunder der Anlass für den Bau einer Kapelle war. Im 16. Jahrhundert wurden dieser Stein und die dort gehaltene Andacht den Protestanten zu einem Ärgernis. Sie warfen den Wallfahrern vor, sie würden einen Stein anbeten. Daher wurde ein Gnadenbild der Heiligen Dreifaltigkeit auf dem neuen Hochaltar angebracht. Der „Zeichenstein“ befindet sich heute links vom Eingang beim Hauptportal.
Das „Rosswunder" beim „Türkenbrunnen“ am Sonntagberg
Der Sonntagberg galt als besonderer Schutzort vor den Türken, da er mehrmals vor ihnen verschont blieb, obwohl türkische Truppen in der Nähe waren. Die Legende erzählt vom „Rosswunder": Als türkische Reiter auf den Sonntagberg ritten, um die Kirche zu plündern, sanken ihre Pferde erschreckt vom heiligen Ort zitternd in die Knie. Sie waren nicht dazu zu bewegen, weiterzugehen. Die Türken mussten also umkehren. Zur Erinnerung an diese wunderbare Rettung wurde 1677 eine Kapelle errichtet, der „Türkenbrunnen". Das klare Wasser, das aus dem „Türkenbrunnen“ fließt, nehmen viele Menschen in Flaschen mit.
Die Sonntagberger Madonna
Im Jahre 1848 wollten der Besitzer des Bauerhofes auf dem Sonntagberg und der Bauer in Windhag die Höfe tauschen. Bei der Besichtigung des Hauses auf dem Sonntagberg fanden die beiden auf dem Dachboden eine alte lebensgroße Madonna. Sie versprachen, eine Kapelle zu erbauen, falls der Hoftausch zur Zufriedenheit aller Beteiligten durchgeführt werden sollte. Durch Handschlag wurde der Handel beschlossen, doch auf den Bau der Marienkapelle vergaßen sie.
In den folgenden vier Jahren wurde die Gegend dreimal von schweren Unwettern mit Hagel heimgesucht. Innerhalb einer Stunde wurde damals die ganze Arbeit eines Jahres vernichtet; die Schäden am Korn und an den übrigen Feldfrüchten waren katastrophal. Das machte den Besitzer des Bauernhofes nachdenklich. Er beschloss, eine Kapelle zu bauen, in der nun die aus dem Jahre 1376 stammende gotische Madonna einen würdigen Platz fand.
Nach dem Besuch der Kirche und des Museums kann man in einem der kleinen Läden ein Andenken kaufen oder sich mit einem Kaffee oder Birnenmost stärken.
Hier oben, auf 712 Metern Höhe, beginnt nun die malerische Fahrt auf dem Mostviertler Panoramahöhenweg. Der aussichtsreiche Weg erstreckt sich, wo die Moststraße und die Eisenstraße zusammentreffen. Der Panoramahöhenweg bildet die Grenze zwischen dem fruchtbaren Land der Mostbauern und der wild-alpinen Bergwelt, wo einst ein wichtiges Zentrum des Eisenhandels und der Schmiedekunst entstand. Dabei entwickelte sich ein lebendiger Austausch. Die Bauern aus den Gemeinden am Panoramahöhenweg versorgten die Menschen in den eisenverarbeitenden Gegenden mit Lebensmitteln, Holz und Wetzsteinen. Im Gegenzug erhielten sie beste Eisenwaren und Geld.
Heute wird der Großteil der Fläche landwirtschaftlich genutzt. Milchkühe auf saftig grünen Wiesen und eine Vielzahl an Obstbäumen prägen das Landschaftsbild. Jedes Jahr im Frühling präsentieren sich die Apfel- und Birnenbäume in voller Blüte. Später im Jahr verwandeln die Bauern die reiche Ernte in hervorragende regionale Spezialitäten wie Most, Säfte, Edelbrände. Das Tourismusmarketing der Region wirbt besonders mit Picknick mit Aussicht. Die mit regionalen Schmankerln gefüllten Picknickkörbe seien bei ausgewählten Ab-Hof-Betrieben erhältlich. Ich habe das nicht ausprobiert, steht aber auf jeden Fall auf dem Plan.
Der Panoramahöhenweg ist mit Hinweisschildern gekennzeichnet und schon folgt man der romantischen Straße über sanfte Hügelrücken Richtung Osten. Liebe/r LeserIn, sei bitte auf keinen Fall in Eile, da sich immer wieder ein atemberaubender Ausblick weitet. Ein fantastischer 360-Grad-Rundumblick reicht weit übers Donautal, das Waldviertel und bei klarer Sicht bis nach Tschechien, über die Bergwelt des Mostviertels, Oberösterreichs und der Steiermark. Abstecher führen hinunter ins Tal, zum Beispiel nach Waidhofen an der Ybbs, die Stadt der Türme, der ein eigener Blogartikel gewidmet ist, und in den Schmiedeort Ybbsitz.
Aussicht aufs Mostviertel und darüber hinaus von dem Panoramahöhenweg
Einige der schönsten Aussichtsplätze wurden schon in der Keltenzeit als Kraft- und Kultplätze genutzt. Die Hügelkuppen, die die Kelten als Tanz- und Festberge gebraucht haben, sind heute Picknickplätze mit Aussicht. Außerdem wurden mit Rauchsignalen Nachrichten übermitteltet. Die „Feuerberge“ waren nach einem sinnvollen System angelegt, so dass Informationen binnen weniger Stunden über weite Entfernungen übermittelt werden konnten.
Endlich fängt die Straße nach unten zu führen, immer tiefer ins Tal, bis sie sich in Randegg in zahlreichen Kreuzungen verstreut.
Nur etwa zwei Kilometer weiter in Richtung Wieselburg und weiter zur Autobahn habe ich noch schnell eine bezaubernde Ruine besucht. Direkt an der Bundesstraße gelegen, mitten in der grünen Wiese, erheben sich die letzten verfallenen Mauern des Talschlosses Niederperwath. Nur etwa 100 Meter oberhalb der Schlossruine im Wald versteckt sich noch die kleinere und stark verwachsene Burg Perwath.
Die heutige Ruine Niederperwath ist vor allem an einer Seite immer noch beeindruckend, aber leider endgültig dem Verfall überlassen. Das Schloss hatte früher einen fast quadratischen Grundriss und an drei Ecken springen immer noch Rundtürme aus den Fassaden. Die Mauern werden aber langsam von der Vegetation aufgefressen. Nur die Vögel trauen sich noch an den Ästen der Bäume, die sich zwischen den Schutthaufen den Platz erkämpfen, zu sitzen und den Geistern der Vergangenheit Gesellschaft zu leisten.
Ruine Niederperwath
Entlang des Mostviertler Panoramahöhenweges werden das ganze Jahr über Feste gefeiert. Man begrüßt den Frühling, im April verwandeln zehntausende Mostbirnbäume die Landschaft in ein weißes Blütenmeer und im Juni werden zur Sommersonnenwende zahlreiche Sonnwendfeuer entzündet. Im Herbst stehen die reifen Birnen und Äpfel im Mittelpunkt. Es gibt also unzählige Gründe, die zauberhafte Hügellandschaft zu besuchen und ihrer Pracht für immer und ewig zu verfallen.
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