Wanderabenteuer im Wienerwald
- jasminatomc
- 13. März 2021
- 13 Min. Lesezeit
Direkt vor den Toren Wiens heben sich niedrige Hügel mit sanften, grünen Wiesen in die blaue Ferne des Horizonts und wecken schon seit Jahrhunderten die Fantasie der Wanderer und inspirieren dichterische Seelen. Ein nicht zu breites Landschaftsgebiet versteckt eine beeindruckende Vielfalt an kulturellem und freizeitlichem Angebot. Im Sommer oder im Winter, egal zu welcher Jahreszeit, können in den dunklen Tiefen der sagenumwobener Wälder Märchen wahr werden. Geheimnisvolle Nebelschwaden, die sich im Winter über die vom Frost bedeckte Felder ziehen, mit weichem, grünem Moos bewachsene Felsen unter dichten Baumkronen, vergessene Burgruinen, die in den Wäldern im Tiefschlaf vor sich hin schlummern und liebliche Sonnenstrahlen, die schüchtern hinter den sanften Hängen der saftig grünen Hügel die Landschaft streicheln… zu jeder Tageszeit zeigt sich diese einzigartige Landschaft in einem zauberhaften Glanz und lädt zum Träumen ein.
Der Wienerwald lockt inzwischen nicht nur Wiener in seinen Bann, er bietet inzwischen ein ausgedehntes Angebot an Bewegung, Geschichte, Kultur und kulinarischen Erlebnissen für die gesamte Familie.
Als begeisterte Wanderin und Ruinen-Kraxlerin bin ich natürlich auf steilen Waldwegen in den dichten Wäldern untergetaucht und habe auf aussichtsreichen felsigen Gipfeln wieder den blauen Himmel erblickt. Dazwischen begrüßten mich schläfrige Burgruinen mit atemberaubenden Ausblicken in die romantische Ferne.
In diesem Artikel möchte ich dir, liebe/r LeserIn, allgemein den Zauber des Wienerwaldes vorstellen und mich danach auf einige erlebnisreiche Wanderungen im Sommer und im Winter begrenzen. Kulturelle und andere Angebote im Wienerwald beschreibe ich in anderen Blogartikeln, die deshalb in der Kategorie „Reisen“ zu finden sein werden.
Mein bewegungsreiches Abenteuer im Wienerwald begann mit dem höchsten Gipfel des Wienerwaldes, dem Schöpfl, der mich in der erstickenden Sommerhitze mit übernatürlich blauem Dunst empfing.
Deutlich steiniger führt der Waldweg auf den Peilstein, der sich mit seinen scharfen Felsen aus den dunkelgrünen Wäldern über die hügelige Landschaft hebt. Wie ein dunkles, tief begrabenes Geheimnis liegt in diesen Wäldern die stark verfallene, aber absolut sehenswerte Ruine Arnstein. Den Peilstein und die Ruine Arnstein bestieg ich an einem winterlichen, aber warmen, strahlend sonnigen Tag im Dezember, daher waren auch die Wege weniger bewachsen und die Ruinenmauern nicht überwuchert.
Weiter südlicher hebt sich die weitaus besser erhaltene Burg zwischen den saftigen Wiesen durch, die Araburg. Der Aufstieg zur Araburg entlockte mir an einem heißen Tag im Hochsommer einige Schweißtropfen, die aber vom Wind auf dem Aussichtsturm sofort getrocknet wurden und ein angenehm kühles Bier im Araburg-Stüberl die Hitze sofort deutlich erträglicher machte.

Der Wienerwald bildet das Nordostende der Alpen und ist als ein stark bewaldetes Mittelgebirge ein beliebtes Erholungsgebiet für die Bewohner der mit Lärm und Verkehr belasteten österreichischen Hauptstadt. Das inzwischen als UNESCO-Biosphärenpark Wienerwald ausgewiesene Gebiet erstreckt sich ungefähr 45 km lang und bis 30 km breit zwischen dem Mostviertel und dem Industrieviertel im östlichen Niederösterreich. Im Osten blickt man ins Wiener Becken, im Süden umfließt das Gebiet der Fluss Triesting, im Norden die Donau und im Nordosten befindet man sich bereits im Stadtgebiet Wiens.
Die gesamte Region erstreckt sich von Klosterneuburg im Norden Wiens, über den westlichen Wienerwald mit Neulengbach im Mittelpunkt, der für die Produktion der Elsbeere berühmt ist, über das traumhafte Helenental zwischen Alland und Baden, bis in die flachen Ebenen des Wiener Beckens im Süden und Osten.
Im Mittelalter war das stark bewaldete Gebiet ein beliebtes Ziel für die Jagd. Die Babenberger jagten besonders Rehe, Hirsche und Wildschweine. Von 1276 bis 1755 war der Wienerwald als Privatbesitz der Habsburger ihr bevorzugtes Jagdrevier. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts war Holz die wichtigste Energiequelle für die stark wachsende Bevölkerung der Hauptstadt und dem Engagement des Journalisten Josef Schöffel ist es zu verdanken, dass der Wienerwald als der Hauptlieferant vor der Abholzung bewahrt wurde. Seit 1905 ist der Wienerwald geschützt und 2005 wurde er außerdem von der UNESCO zum Biosphärenpark ernannt.
Die Kulturlandschaft blickt auf 850 Jahre Geschichte und Tradition zurück, die hauptsächlich durch den typischen Mischwald und die gepflegten Wiesen geprägt wurden und heute besonders im Osten zusätzlich von Weinreben ergänzt werden. Heute gehören 16 Naturschutzgebiete und 4 Naturparke zu dieser einzigartigen Naturlandschaft, ebenso wie zahlreiche Wiesen, Weiden, Äcker und Weingärten. Auf 1.350 km² bietet der Wienerwald Lebensraum für 2.000 Pflanzenarten, 150 Brutvogelarten und viele andere bedrohte Tiere. 2011 haben sich im Biosphärenpark Wienerwald erstmals in Österreich seit 50 Jahren zwei Habichtskäuze in freier Wildbahn gepaart und Nachwuchs bekommen. Auch die gefährdete Smaragdeidechse lebt hier. 2014 wurde eine Zählung der im Wienerwald vorkommenden Pilzarten durchgeführt. Dabei wurden 828 Arten gefunden, darunter waren 17 Arten, die bisher im Wienerwald nicht heimisch waren. Buchen, Eichen, Schwarzkiefern und Föhren bieten den stark ersehnten Schatten im Sommer und stellen eine unersetzliche Energiequelle für die Seele dar. In den Rieden der legendären Weinorte wie Gumpoldskirchen gedeihen verschiedene Weiß- und Rotweine, die man in gemütlichen Heurigen genießen kann.
Die magische Anziehungskraft des Wienerwaldes fand schon bei zahlreichen Komponisten Ausdruck, unter anderem bei Ludwig van Beethoven, Franz Schubert oder Johann Strauß. Inzwischen zieht sich ein Netz gut markierter Wander- und Radwege durch die Hügelkette, die bei Leopoldsberg und Kahlenberg im Norden Wiens beginnt. Schon von der dort errichteten Stefaniewarte kann man an klaren Tagen bis zum Schneeberg- und Raxmassiv am südlichen Ende des Wienerwaldes blicken, dem die Hauptstadt ihr ausgezeichnetes Trinkwasser verdankt. Zahlreiche Infopoints informieren den Besucher des Biosphärenparks über die Charakteristik der Landschaft mit ihrer spezifischen Flora und Fauna und geben Tipps zu Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten in der Umgebung sowie zu Erzeugnissen aus der Region.
Der Schöpfl
Der Schöpfl ist mit seinen 893 Metern der höchste Berg des Wienerwaldes und ein beliebtes Wanderziel, da der Weg hauptsächlich durch den Wald führt. Am Gipfel steht die Matraswarte, die bei günstigem Wetter die Sicht bis zum Schneeberg und zur Rax, zum Ötscher und im Norden in die Donau-Ebene bietet. Direkt unter dem Gipfel bietet das Schöpfl-Schutzhaus ein gemütliches Platzl für Rast und Erfrischung. An einem nahen Nebengipfel wurde 1969 das Leopold-Figl-Observatorium errichtet, der allerdings nicht zugänglich ist.
Den Ausgangspunkt für die Wanderung erreicht man am besten mit dem Auto, da die Orte abseits der großen Verkehrsrouten liegen und daher die Erreichbarkeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht ist. Der Schöpfl ist aus allen Himmelsrichtungen über gut markierte und ausgeschilderte Wanderwege ersteigbar. Ich entschied mich für einen der leichteren und kürzesten Anstiege, vom Ort St. Corona am Schöpfl über die flache südliche Flanke. Bis zur Matraswarte braucht man ungefähr 1 Stunde Gehzeit.
Du kannst auf einem der vielen Parkplätze parken, entweder direkt im Ort oder an der Bundesstraße, überall findest du Wegweiser zur „Schöpflhütte, Matraswarte“. Von Anfang an führt dich ein breiter Schotterweg leicht ansteigend auf den bewaldeten Hügel. Egal wo du startest, sollst du dich nur an die blauen Markierungen halten. Wiesenwege führen dich immer weiter bergauf und einige Rastbänke dienen gut der Orientierung. Schon bald kommst du in einen angenehm kühlen Mischwald, wo du die himmlische Stille genießen kannst, die nur immer wieder vom sanften Vogelgesang unterbrochen wird.
Der Wanderweg zum Schöpfl
Auf einer breiten flachen Stelle im Wald kommen 4 Forstwege zusammen und hier gibt es einen Rastplatz mit einem Gedenkkreuz, wo du eine kleine Ruhepause machen und tief durchatmen kannst. Mehrere Tafelschilder weisen den Weg zur Warte und Hütte am Gipfel des Schöpfls hin und ein steiniger, lehmiger Waldweg führt geradeaus, jetzt deutlich steiler hinauf. In zahlreichen Kurven führt der jetzt schmalere Waldweg durch einen Fichten- und Tannenwald, niedrige Nadelbäume sind hier dein treuer Begleiter und die Sonnenstrahlen lassen die feinen Nadeln in einem magischen silbernen Glanz erstrahlen. Nach etwa 15 Minuten lässt du das unvergessliche Silbermeer hinter dir und erreichst eine weite Wiese, die direkt geradeaus hinauf bis zu einer Rastbank führt. Hier biegst du rechts ab und schon nach ein paar Metern stehst du unter dem Aussichtsturm am Gipfel, auf 893 m Höhe.
Von der 17 m hohen Matraswarte reicht der Ausblick vom Tullner Feld an der Donau, über Wien und die flache Ebene des Wiener Beckens bis hin zu den unverwechselbaren Formen des Schneebergs und Ötschers, die in der weiten blauen Ferne des Horizonts schimmern. Der blaue Dunst liegt schwer über der überhitzten Landschaft und die Sonne strahlt grell und heiß vom blauen Himmel. Man hört nur das leise Flüstern des Windes und das fröhliche Vogelgezwitscher in den Baumkronen unter den Füßen. Hin und wieder summt eine Biene vorbei, auf der Suche nach bunten, mit Pollen reichen Blüten. Und man weiß: hier oben ist die Welt noch in Ordnung. Nur du allein, der Wald, Bienen und der blaue Himmel. Und für einen winzigen Augenblick vergisst du alle deine Wünsche, deine Sehnsüchte rücken weit in die Ferne, du spürst den kalten Schweiß auf deinem Rücken nicht mehr, auch der Durst vergisst sich zu melden und du kannst diesen seligen Moment in seiner voller Kraft genießen, du spürst, wie die Energie der Natur alle deine Sinne mit Frieden und neuer Hoffnung erfüllt.
Aussicht von der Matraswarte am Schöpfl
Nach dem du neue Kraft getankt hast, steigst du wieder vom Turm in den Wald und ein schmaler Pfad führt ein paar Meter geradeaus zum Schöpfl-Schutzhaus, wo du dir eine erfrischende Stärkung mehr als verdient hast.
Nach der Einkehr folgst du demselben Weg retour zuerst zur Matraswarte und dann zur Wiese, wo du links abbiegst und wieder hinunter zum Wald absteigst. Die freundlichen Nadelbäume begrüßen dich mit ihrem silbernen Strahlen zurück, bis du am Rastplatz mit dem Kreuz stehst. Hier kannst du jetzt einen Abstecher zum Leopold-Figl-Observatorium für Astrophysik machen, der größten Sternwarte Österreichs. Das Observatorium ist mit dem größten Spiegelteleskop Österreichs ausgestattet, doch leider ist der Zutritt verboten.
Du gehst also wieder zurück zu der großen Kreuzung und folgst dem Waldweg Richtung St. Corona. Jetzt geht es stetig bergab und die blauen Markierungen führen dich zielsicher zurück zur Weggabelung zur St. Corona Ortsmitte. Noch ein paar genussreiche Minuten und du erreichst den Parkplatz im Ort.
Das Schöpfl Schutzhaus und das Planetarium
Peilstein und die Ruine Arnstein
Der Peilstein, ein Kalkberg mit steilen, felsigen Wänden, ist schon von weiter Ferne erkennbar und wurde schon in keltischer Periode vermutlich als Druidenaltar geheiligt. Mit seinen 716 Höhenmetern hebt er sich über die Gemeinde Altenmarkt und liegt damit im südlichen Wienerwald. Der Peilstein bietet mehr als nur ein Wanderparadies, seine schroffen Felsen wecken die Kletterfaszination, zwei gemütliche Gasthäuser laden zum Erholen ein und tief im Wald versteckt sich schüchtern mit ihren nackten Mauern die stark verfallene, aber deshalb nicht weniger faszinierende Ruine Arnstein. Vom Gipfelkreuz am Rande des steilen Felsengipfels am Peilstein und von der Aussichtswarte beim Peilsteinhaus öffnet sich eine atemberaubende Aussicht auf die hügelige Landschaft des Wienerwaldes.
Du kannst die Wanderungen zur Ruine und zum Peilstein in einer gemütlichen Rundwanderung verbinden, oder jede Schönheit einzeln besuchen.
Den Rundweg und die kurze Wanderung zur Ruine Arnstein startest du am besten in Maria Raisenmarkt, wo genug Parkplätze zur Verfügung stehen. Dort führen dich die ersten gelben Schilder Richtung Peilstein. Zuerst folgst du der asphaltierten Straße an der Kirche vorbei, rechts und links breitet sich eine tief grüne Wiese aus, die weiter geradeaus in den Wald übergeht. Hier führt ein schmaler, steiler Waldweg ungefähr 20 Minuten bergauf, dann ist aber das Anstrengendste schon überstanden. Noch etwas weiter zeigt ein Wegweiser die Abzweigung Richtung Ruine Arnstein an. Die Zeitangabe von 5 Minuten ist allerdings sehr optimistisch, ich habe 20 Minuten gebraucht, da der Weg sehr steil und teilweise rutschig ist, du musst über zahlreiche Wurzeln und Steine steigen und aufpassen, dass du auf nassem Laub nicht ausrutschst. Der Weg wird von einzelnen Sonnenstrahlen begleitet, die sich durch dünne Zweige und Blätter den Weg erkämpfen und eine märchenhafte Atmosphäre herbei zaubern.
Der Weg zur Ruine Arnstein (und Peilstein)
Bald stehst du schon vor dem Burgfelsen, wo dich die 40 m tiefe Arnsteinhöhle mit einer kühlen, geheimnisvollen Dunkelheit begrüßt. Sie befindet sich direkt unterhalb der Burgruine. Ende des 19. Jahrhunderts wurden in der Höhle Knochen von Höhlenbären und anderen Tieren entdeckt.
Die Arnsteinhöhle und ein Schild, das eigentlich überflüssig sein sollte
Der Weg führt dann weiter an der Felswand entlang und verliert sich dann teilweise unter einer dicken Laubschicht, die im Winter wegen zusätzlicher Feuchtigkeit und leichtem Frost nur trittsicher zu bewältigen war.
Endlich stehst du dann vor den Mauerresten der Ruine Arnstein. Der Name Arnstein setzt sich aus Arn und Stein zusammen. Als Stein wurden bis ins Mittelalter Burgen allgemein bezeichnet und Arn wird aus Aar abgeleitet, einer historischen Bezeichnung für einen Adler. Der Name lässt sich also mit Adlerburg übersetzen.
Sie wurde im 12. Jahrhundert erbaut und trotz ihrer versteckten Lage im 16. Jahrhundert beim Türkeneinfall zerstört. Sie wurde nicht wieder aufgebaut und wurde zunehmend dem Verfall überlassen. Heute sind nur mehr spärliche Reste eines Rundturmes, des Palas, eines Burgtores und des Bergfrieds vorhanden.
Im Winter war die gesamte Burganlage nicht verwachsen, also konnte ich die Mauerreste im mystischen, winterlichen Sonnenlicht bewundern. Auf der höchsten Mauer angekommen, weitete sich die Aussicht vom steilen Felsen ins Tal, umgeben von sanften Hügelketten, die sich in der kalten, blauen Ferne verloren. Direkt unter den Füßen ragt die etwa 13 m hohe Arnsteinnadel aus der Felsformation an der steilen Felswand des Peilsteins. Die auffällige Felsnadel ist als Naturdenkmal klassifiziert und gilt als einsturzgefährdet.
Ruine Arnstein
Wie viele der alten Gemäuer kreisen auch um die Burg Arnstein Sagen und Legenden. Der Geistersage nach spukt ein Ritter auf einem weißen Schimmel in den Mauern und kann nur von frommen Menschen gesehen werden. Nur wenn sie ihn ansprechen, kann seine Seele gerettet werden.
Die bekannteste Sage erzählt jedoch von einer bösen Burgfrau, die ein Kind mit dem Kopf eines Hundes zur Welt brachte, während ihr Mann auf Kreuzzügen war. Daraufhin tötete sie das Kind. Als ihr Mann bei der Heimkehr von der Tat erfuhr, bestrafte er seine Frau, indem er sie in ein Fass sperrte, das auf der Innenseite mit Nägeln präpariert war. Dann ließ er das Fass den Felshang herunter rollen. An der Stelle, wo das Fass endlich zum Stillstand kam, wurde der Legende nach die Kirche von Maria Raisenmarkt erbaut.
An dem frostigen Dezembertag meiner Wanderung fühlte ich allerdings nur die unsichtbare Anwesenheit der müden Waldfeen und verschlafenen Baumgeister. Von den stillen Mauern umgeben spürte ich den ruhigen Winterschlaf der Natur überall herum und genoss das langsame Tauen der Eiskristalle auf den Baumrinden und den Farnblättern.
Langsam verabschiedete ich mich von dem Ruhepol im Wald.
Jetzt hast du, liebe/r Wanderer/in, zwei Möglichkeiten. Du kannst hier einen kurzen Ausflug nur zur Ruine Arnstein beenden und auf demselben Weg nach Maria Raisenmarkt zurückkehren. Zum Peilstein führt nämlich noch ein kürzerer Anstieg, den ich in der Fortsetzung beschreiben werde. Oder du setzt den Weg an der Ruine vorbei in den Wald hinauf fort. Es dauert noch ungefähr eine Stunde, bis du schließlich den Peilstein mit dem Peilsteinhaus erreicht hast. Du sollst nur den weiß-roten Markierungen und den Hinweisschildern zum Peilsteinhaus folgen.
Die gemütlichere Version zum Peilsteinhaus am Gipfel des Peilsteins führt allerdings vom Ort Schwarzensee, von dem man das felsige Ziel in nur etwa 30 Minuten erreicht. Du kannst direkt hinauf zum Peilsteinhaus steigen oder du nimmst den Umweg über die Forststraße zuerst zur kleineren Peilsteinhütte. Der Weiterweg führt aber auf jeden Fall weiter zum Peilsteinhaus und zum Gipfel.
Da ich unbedingt zum Gipfel wollte, habe ich den direkten Weg genommen. Ein Teil des Wanderwegs gehört zum Erlebnisweg zum Thema „Klettern“, der besonders für Kinder interessante Informationen liefert. Oben angelangt befinden sich beim Peilsteinhaus auch ein Kletterpavillon und ein Spielplatz, wo die Kinder selber ihre Affenkünste ausprobieren können.
Weg zum Peilstein von Schwarzensee
Das Peilsteinhaus selber beeindruckt schon von weit mit seinen rot-weiß-rot bemalten Fensterläden, die einen malerischen Kontrast zur dunklen Holzfassade bilden. Es lohnt sich auf jeden Fall einzukehren und auf einem der zahlreichen Holzbänke ein gut gekühltes Getränk zu genießen. Obwohl es schon Dezember war, schien die Sonne an meinem Wandertag mit fast vergessener Kraft und ich gönnte mir ein Bier. Zum Glück war auch anderen Wanderern scheinbar warm, da sich alle mit einer gut gekühlten Flasche Bier erfrischt haben. Auch neue Freunde kann man kennenlernen, in meinem Fall waren die zwei süßen Hüttenbewohner auf den unteren Fotos.
Gleich neben dem Haus steht ein Aussichtsturm, von dem man ein 360°-Panorama genießen kann. Allerdings steht für gute Fotos das Dach etwas im Weg, daher empfehle ich auf jeden Fall noch den fünfminutigen Abstecher zum Gipfelkreuz.
Das Peilsteinhaus mit dem Aussichtsturm und neue Freunde
Am Bergrettungshaus vorbei gehst du nur ein paar Minuten bis zu einem Kreuz am Rande einer Felswand und schon empfängt dich ein unvergesslicher Ausblick ins Tal und auf die bewaldeten Hügel. 1895 wurde die Peilstein-Warte auf dem Gipfel errichtet, musste aber aufgrund von Kriegsschäden 1947 abgebaut werden. Die Aussicht vom Gipfelkreuz raubt dem Besucher trotzdem den Atem. Direkt unten liegt das Dorf Hafnerberg, dahinter zieht sich die feine Linie des Triestingtals und verliert sich in den grünen und blauen Tönen der umliegenden Hügelketten. An klaren Tagen reicht die Aussicht bis zu den Gutensteiner Alpen. Hier oben dominiert der lockere Föhrenwald und bietet erfrischenden Schatten. Ein schmaler Steig führt die Felswand entlang, auf nacktem Stein und Fels, an verwinkelten Baumstämmen vorbei, und weitet den Blick auf die einzigartigen Felsformationen und weiter in die himmelsblaue Ferne Niederösterreichs. Hier oben fühlt man mit jedem Schritt das unglaubliche schöpferische Wunder der Natur und ihrer unendlichen Kräfte.
Die Schönheit Peilsteins
Nur schweren Herzens verabschiedete ich mich von den mir inzwischen heimisch gewordenen Felsen und den gebeugten Bäumen und nahm denselben Weg zum Peilsteinhaus zurück. Dort warf ich einen letzten Blick auf die romantischen rot-weiß-roten Fensterläden und schon war ich wieder vom Laubwald umgeben, der mich auf dem Rückweg zum Schwarzensee begleitete.

Mitten im Sommer, in der schlimmsten Hitze, bei strahlendem Sonnenschein, führte mich der Weg in den südlichsten Teil des Wienerwaldes, ins Triestingtal. Hier treffen die Föhren- und Buchenwälder des Wienerwaldes auf sanfte Weinberge und endlos weite Ebenen. Hier erwähne ich nur das obere Triestingtal, genauer gesagt die Umgebung von Kaumberg, da der südliche Teil selbst genug Material für einen eigenen Blogartikel zu bieten hat. Das Triestingtal im Allgemeinen werde ich in einem der folgenden Artikel näher beschreiben.
Araburg
Das gesamte Tal bietet zahlreiche kulturelle Schätze, unter anderem eindrucksvolle Bauten, Steinkreise und sakrale Architektur. Wie immer bin ich am meisten von den Burgruinen fasziniert, von denen das Gebiet in Hülle und Fülle zu entdecken bietet. Zu den bekanntesten Ausflugszielen im Triestingtal zählt die Araburg, die höchstgelegene Burgruine Niederösterreichs. Sie liegt auf 799 Metern und ist in einer kurzen Wanderung durch den Wald erreichbar.
Es ist möglich, von Kaumberg gleich zu Fuß zu starten und einige Stunden in der Gegend zu wandern, ich beschreibe aber die kürzeste und bequemste Variante. Wenn du mit dem Auto im Ort Kaumberg zur Burg abbiegst, steigt die Straße leicht durch saftig grüne Wiesen und schon von da siehst du die Burg von weitem.
Die Umgebung von Kaumberg und Araburg
Du folgst aber der kurvigen Straße bis zu einem Parkplatz am Waldrand, wo das Fahrverbot beginnt. Am Schranken vorbei gehst du ungefähr eine halbe Stunde durch einen angenehm schattigen Wald, doch auf einem ziemlich steilen Forstweg. Der Weg zur Ruine ist gut ausgeschildert, es geht ständig bergauf. Endlich erreicht man die Lichtung und umrundet die Burg im Uhrzeigersinn, wo sich der Eingang befindet.
Die Araburg wurde im 12. Jahrhundert zum Schutz vor Feinden und zur Sicherung des Handelsweges errichtet. Sie bot auch der Bevölkerung Schutz vor Unruhen und Kriegskämpfen. Die Burganlage ist noch sehr gut erhalten und ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Der Eintritt kostet nur 1 €. Im Inneren befinden sich ein kleines Heimatmuseum und eine bezaubernde Kapelle und der Höhenpunkt der Besichtigung ist der kurze Aufstieg auf den 27 m hohen Bergfried, der ein 360° Panorama bietet. Der Ausblick schweift über die sanften grünen Hügel und tiefgrünen Wälder des Wienerwaldes, bis zu den schroffen Felsen der Voralpen. Der traumhafte Anblick blieb mir für ewig unvergesslich.
Abenteuer Araburg
Im romantischen Burgstüberl kannst du dich jetzt mit regionalen Schmankerln verwöhnen lassen, bei mir war es eine köstliche Frittatensuppe.
Inzwischen finden auch zahlreiche Veranstaltungen auf der Burg statt, zum Beispiel Burgschauspiele, Konzerte und das mittelalterliche Georgsfest.
Wie du siehst, bietet der Wienerwald mit dem Triestingtal in jeder Jahreszeit selbst für den wählerischsten Abenteurer genug zu entdecken, von verschlafenen Ruinen bis zu stolzen Gipfeln auf steilen Felsen. Überall aber begleiten dich zarte, grüne Hügel, mystische Wälder, magische Felsen und geheimnisvolle Schätze, die dir immer aufs Neue den Atem rauben.

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